Die SPD erhält bei der Europawahl einen Wähleranteil von 27,3 Prozent. Gegenüber 2009 gewinnen die Sozialdemokraten 6,5 Prozentpunkte. Insgesamt votierten 7.999.955 Wähler für die SPD, 2.527.389 mehr als vor fünf Jahren. Mit dem jetzigen Wahlgang legt die SPD so stark zu wie bei keiner bundesweiten Wahl zuvor.

Die Union bleibt zwar in Deutschland mit einem Stimmenanteil von 35,4 Prozent stärkste Kraft bei der Europawahl, verschlechtert sich aber im Vergleich zur letzten Europawahl um 2,5 Prozentpunkte. Insgesamt entschieden sich 10.374.758 Wähler für die Unionsparteien, davon 1.567.258 Wähler für die CSU in Bayern, die bundesweit einen Wähleranteil von 5,3 Prozent erreicht.

Die Grünen werden zur Europawahl mit einem Stimmenanteil von 10,7 Prozent erneut drittstärkste Kraft. Sie verlieren gegenüber 2009 1,4 Prozentpunkte. Insgesamt entschieden sich 3.138.201 Wähler für die Grünen, 56.308 Wähler weniger als vor fünf Jahren.

Die FDP verliert gegenüber der letzten Europawahl 7,6 Punkte und erzielt 3,4 Prozent der Stimmen. Sie fällt damit hinter Linkspartei und AfD zurück. In absoluten Zahlen votierten 986.253 Wähler für die FDP, 1.901.831 Wählerstimmen weniger als 2009.

Die Linke erhält 2.167.641 Stimmen und vereint 7,4 Prozent der Wähler auf sich. Gegenüber ihrem Europawahl-Ergebnis von 2009 bedeutet dies in absoluten Zahlen einen Gewinn von 198.402 Stimmen. Ihr Stimmenanteil ist jedoch um 0,1 Prozentpunkte gesunken.

Bisher nicht im Europaparlament vertretene Parteien kommen zusammen auf einen Stimmenanteil von 15,9 Prozent. Am erfolgreichsten ist die AfD, die insgesamt 2.065.162 Stimmen und einen Wähleranteil von 7,0 Prozent erhält.

Die Wahlbeteiligung ist gegenüber der Europawahl 2009 um 4,9 Punkte gestiegen. Insgesamt nahmen 48,1 Prozent der 62.004.092 Wahlberechtigten am Wahlgang teil.

Sitzverteilung: Von den 96 deutschen Mandaten gehen 34 Mandate an die CDU/CSU. Die SPD wird künftig mit 27 Sitzen im Europaparlament vertreten sein. Auf die Grünen entfallen 11 Sitze. Die Linke entsendet 7 Mandatsträger ins Europaparlament, ebenso die AfD. Auf die Liberalen entfallen 3 Sitze. Jeweils ein Sitz geht an Freie Wähler, Tierschutzpartei, Familie, Piraten, ÖDP, NPD und DIE PARTEI.

Wählerwanderung seit der Bundestagswahl: Aufgrund der traditionell niedrigeren Wahlbeteiligung bei der Europawahl findet der größte Austausch gegenüber der Bundestagswahl mit dem Nichtwählerlager statt. Im Vergleich zu den anderen Parteien haben die SPD und die Grünen aber die geringsten Mobilisierungsprobleme.

Wählerstruktur: Die SPD gewinnt in fast allen Altersgruppen hinzu, besonders stark bei den über 45-Jährigen, wo sie drei von zehn Wählern erreicht. Den größten Zuspruch erhalten die Sozialdemokraten bei Personen mit einfacher Bildung (35 Prozent) sowie bei Rentnern (35 Prozent). Auch bei Arbeitern, Angestellten, Beamten und Arbeitslosen gelingt es der SPD, klare Zugewinne zu erzielen.

Wahlmotive: Wie bei früheren Europawahlgängen standen auch bei der aktuellen Wahl zum Europaparlament eher bundespolitische Belange im Vordergrund: 54 Prozent der Wähler gab an, sich an bundespolitischen Fragen orientiert zu haben, 39 Prozent ließen sich von europapolitischen Aspekten leiten. Im Vergleich zu früheren Europawahlen hat damit die Europapolitik für die EU-Wahlentscheidung leicht an Bedeutung gewonnen. Aus der Vorwahlbefragung ergibt sich, dass wichtigste Themen für die Wahlentscheidung waren: Soziale Sicherheit (48 %), Friedenssicherung (42 %), Stabilität der Währung (29), Wirtschaftswachstum (24), Umweltschutz (20), Verbraucherschutz (15), Zuwanderung (13).

Kandidaten: Wie auch schon bei anderen Wahlgängen waren die Kandidaten vergleichsweise am wichtigsten für Unions- und SPD-Wähler. Gut ein Viertel der SPD-Wähler (27 Prozent) nannte Martin Schulz als wichtigsten Grund für die Wahlentscheidung. Jean-Claude Juncker motivierte ein Fünftel (20 Prozent) der Unionswähler zur Stimmabgabe. Der Vorsprung von Martin Schulz wurde auch bereits in der Vorwahlbefragung deutlich: Bei der Politikerzufriedenheit kam Martin Schulz auf 56 % (Sehr zufrieden/zufrieden) gegenüber 44 % für Jean-Claude Juncker. Bei der Direktwahlfrage führte Martin Schulz mit 42 % gegenüber 24 % für Juncker (18 % Kenne Schulz/Juncker nicht, 9 % keinen von beiden). Im Profil der Spitzenkandidaten lag Schulz fast überall besser im Vergleich zu Juncker: Näher an den Problemen der Bürger (40/13), Glaubwürdiger (31/18), Sympathischer (30/25), Kompetenter (26/23).

Zeitpunkt der Wahlentscheidung: Bei Europawahlen tun sich die Wähler schwer, sich endgültig auf eine Partei festzulegen. Zur Europawahl 2014 entschieden sich ähnlich wie 2009 vier von zehn relativ kurzfristig für eine Partei, d.h. in den letzten Tagen vor dem Wahltag (21 Prozent) oder erst am Wahlsonntag (19 Prozent) selbst. Zur Bundestagswahl im vergangenen Herbst lag der entsprechende Anteil der Spät- Entscheider mit 32 Prozent erkennbar niedriger.

Regionalanalyse: Die SPD verbessert sich gegenüber 2009 in allen Ländern. Ihre besten Ergebnisse erzielt sie im Saarland, in Bremen und Hamburg. Mit Ausnahme der süddeutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, wo die SPD deutlich unter ihrem Bundesergebnis liegt, erreicht sie aber auch in allen anderen westdeutschen Flächenländern mehr als 30 Prozent. Die Union verliert im Vergleich zur letzten Europawahl in zehn von sechzehn Bundesländern. Mit Ausnahme von Baden-Württemberg und Niedersachsen, wo die CDU ihr Ergebnis der letzten Europawahl in etwa halten kann, schneidet die Union in allen westdeutschen Ländern schwächer als 2009 ab. Die größten Verluste verzeichnet die CSU in Bayern. Mit Ausnahme von Bayern verlieren die Grünen in allen Bundesländern, besonders deutlich in Bremen, Berlin und Hamburg. Dennoch erzielen sie in den drei Stadtstaaten Ihre besten Ergebnisse. Mit Ausnahme von Berlin liegen die Grünen in den neuen Bundesländern deutlich unter 10 Prozent. Von Berlin abgesehen büßt die Linke in allen ostdeutschen Bundesländern Anteile ein, erzielt dort aber weiterhin ihre höchsten Ergebnisse. Die AfD hat den höchsten Wählerrückhalt in Sachsen, gefolgt von Brandenburg. Die FDP bricht in allen Bundesländern gegenüber 2009 ein.

Europawahlen im Vergleich: Die Union fällt ungeachtet ihres klaren Vorsprungs vor der SPD auf einen Negativrekord bei den Europawahlen. Die SPD dagegen schafft die Trendwende. Durch den SPD-Zugewinn steigt der Wählerrückhalt der beiden großen Parteien gegenüber 2009 an. Die erreichten 62,6 Prozent bedeuten dennoch den zweitschlechtesten Wert der Volksparteien bei Europawahlen. Die lange Erfolgsserie der Grünen bei Europawahlen wurde diesmal gestoppt. Die FDP bricht so stark ein wie bei keiner Europawahl zuvor. Die Linke bleibt erstmals unter ihrem Bestwert bei einer Europawahl von 7,5 Prozent im Jahr 2009 und fällt damit klar hinter den Grünen zurück. Mit der AfD schafft es zum zweiten Mal eine nicht im Bundestag vertretene Partei, ein Europawahlstimmenergebnis von deutlich mehr als 5 Prozent zu erreichen. Erstmalig war dies 1989 den Republikanern gelungen (7,1 Prozent).

Vorläufige gesamteuropäische Ergebnisse der Europawahl

• Bei der Europawahl in allen 28 EU-Mitgliedstaaten erreichen nach noch vorläufigen Ergebnissen (Stand 26. Mai, 09.50 Uhr) die europäischen Sozialdemokraten 24,9 Prozent und 187 Sitze (2009: 196 Sitze). Die Europäische Volkspartei erhält 28,23 Prozent und 212 Sitze. Die europäischen Konservativen verlieren damit deutlich an Sitzen im Europäischen Parlament (2009: 274 Sitze).
• Nach dem neuen EU-Vertrag von Lissabon wird es nun entscheidend darauf ankommen, welcher der europäischen Spitzenkandidaten eine politische Mehrheit im Europäischen Parlament hinter sich vereinen kann. Vom 1.-3. Juli findet die erste Plenartagung des neuen Europäischen Parlamentes statt. Auf Vorschlag der Staats- und Regierungschefs im Europäischen Rat wählt das Europäische Parlament mit Mehrheit den neuen EU- Kommissionspräsidenten.
• Die Fraktionen im neuen Europäischen Parlament werden sich in den kommenden Wochen konstituieren. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass Parteien sich Fraktionen neu anschließen oder aus ihrer bisherigen Fraktionsgemeinschaft ausscheiden, so dass es noch zu Verschiebungen in der Größe und im Verhältnis der Fraktionen kommen kann.
• Die Wahlbeteiligung lag europaweit bei 43.09 Prozent (2009: 43 Prozent). Dabei gab es teils erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten: Von 90 Prozent Wahlbeteiligung in Belgien (Wahlpflicht) bis gerade einmal 13 Prozent in der Slowakei.
• In einigen EU-Mitgliedstaaten konnten rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien deutlich zulegen. So wurde in Frankreich der Front National stärkste Kraft mit 25,1 Prozent. In Großbritannien siegte die anti-europäische, rechtspopulistische Partei UKIP. In Ungarn wurde die rechtsextreme Jobbik zweitstärkste Kraft mit 14,68 Prozent.


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