Im Rahmen des parlamentarischen Patenschaftsprogrammes des Deutschen Bundestages für Berufsschüler habe ich für Robert Jürgens sehr gerne die Patenschaft übernommen. Ich freue mich sehr, dass es ihm gut geht und er das Jahr in den USA so sehr genießt. Hier ist sein Bericht:

Zwischenfazit meines Abenteuers in den USA

Die Zeit vergeht rasend schnell. Gestern war noch Weihnachten, vorgestern ist man in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen und nächstes Wochenende ist doch schon Ostern. Genau genommen, war der Hinflug nicht vorgestern, sondern vor 240 Tagen. Seitdem ist einiges passiert.

Anfang August, angekommen in New York fühlte sich doch alles noch eher nach einer Klassenfahrt an. Gemeinsam mit 74 anderen Teilnehmern haben wir die Stadt erkundet und ein Orientierungsseminar besucht. Nach der Seminarwoche ging es für mich nach Philadelphia. Meine Gasteltern waren in der Stadt und nahmen mich dort in Empfang. Sie sind Jugendbetreuer in der Kirche und besuchten gemeinsam mit ein paar Jugendlichen eine andere Jugendgruppe in Philadelphia. Wir haben viele interessante Orte gesehen, unter anderem die „Hall of Independence“, welche quasi die Geburtsstätte der Vereinigten Staaten und auf dem 100,- Dollar Schein abgebildet ist. Von Philadelphia ging es dann mit dem Auto quer durch die Vereinigten Staaten zu meinem Platzierungsort, Lafayette im Bundesstaat Indiana.

Angekommen in Lafayette fühlte sich doch immer noch alles eher nach Urlaub, anstatt nach einem einjährigen Aufenthalt an. Es war sonnig und warm und ich hatte noch knapp drei Wochen Zeit bis die Collegezeit begann. Ich habe viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht, wobei wir unter anderem ihre Eltern in Holland, Michigan und South Bend, Indiana besucht haben. Ebenso sind wir oft am Wochenende in verschiedenen Städten in der Midwest-Region unterwegs um an Jugend-Events der Kirche teilzunehmen. Dort absolviere ich auch die meisten Stunden meines Community Services. Ich begleite regelmäßig die Gottesdienste am Klavier.

Die Collegezeit war rückblickend betrachtet doch sehr spannend und großartig. Ich habe das Ivy Tech Community College besucht und dort auch im Basketballteam gespielt. Die Kommilitonen waren vom Alter her sehr gemischt so dass ich in manchen Kursen eher das Gefühl hatte eine Art Volkshochschule zu besuchen. Die jüngeren Studenten besuchen eher die im angrenzenden Ort West Lafayette liegende Purdue University. Auch wenn ich kein Student an der Purdue University war, habe ich dort regelmäßig den „Kaffeeklatsch“ des German Culture Club (GCC) besucht und dort Freunde gefunden. Größentechnisch im Vergleich besteht das Community College im Ort aus circa 4 Gebäuden. Die Universität ist eine eigene Stadt, inklusive Bürgermeister, Polizei, Feuerwehr & Co.

Das Semesterende ging unmittelbar in die Weihnachtsfeiertage über, die wir bei der Familie meiner Gasteltern in South Bend und Holland verbracht haben. Auch wenn ich knapp 6000 Kilometer von zuhause entfernt war, hatte ich ein stimmungsvolles Weihnachten im Kreis der Gastfamilie und ich habe die Atmosphäre förmlich aufgesogen. Zuerst habe ich mit dem Gedanken gespielt für die Feiertage nach Hause zu meinen Eltern zu fliegen – im Nachhinein betrachtet war es eine gute Entscheidung dies nicht zu tun, da ich so die wahrscheinlich einmalige Gelegenheit hatte das Weihnachtsfest sehr intensiv in einem anderen Kulturkreis mitzuerleben. Diese Entscheidung würde ich jedem PPP`ler ans Herz legen – es lohnt sich wirklich sehr. Nach den Weihnachtsfeiertagen ging es für ein paar Tage ins sonnig warme Florida. Die Strecke die wir von Lafayette zu unserem Urlaubsort zurückgelegt haben, gleicht ungefähr der Strecke zwischen Hamburg und Rom. Da es hier dank der Benzinpreise deutlich günstiger ist mit dem Auto zu Reisen anstatt zu Fliegen, sind wir nach Florida gefahren. Der günstigste Preis für den ich getankt habe, waren 1,61 US-Dollar pro Gallone, was nach aktuellem Wechselkurs ungefähr 0,39 Euro pro Liter entspricht. Nach ein paar Tagen in Orlando ging es runter auf der Karte bis an den südlichsten Punkt der USA, Key West. Es war ein leichter Schock nach ein paar Tagen mit Temperaturen um 30 Grand Celsius wieder ins verschneite Indiana zurückzukehren. Der Winter nahm gerade im Februar noch mal zu, und wir hatten zum Teil Temperaturen um minus 30 Grad Celsius. Wenn man in Hamburg lebt, ist man zwar kalte Winter gewohnt, doch der Winter hier toppt das.

Seite Ende Januar arbeite ich als Telefonist in einem Callcenter für die Reservierungshotline einer Hotelkette. Die Arbeit ist interessant, macht Spaß und ich genieße es jeden Tag mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten und am Telefon zu kommunizieren.

Vor gut drei Wochen haben meine Gasteltern ein Baby und ich somit einen Gastbruder bekommen. Ich bewundere meine Gasteltern dafür, wie gut sie mit der Situation umgehen und bemühe mich ihnen unter die Arme zu greifen, so gut ich nur kann.

Das Jahr verläuft soweit perfekt und es wird von Tag zu Tag nur besser. Trotzdem muss ich feststellen dass ich seit dem Beginn meiner Arbeitsphase leider das Gefühl habe die Zeit vergeht noch schneller als zuvor.

Ich hoffe ich konnte, wenn auch leicht verspätet, einen guten Überblick auf meinen bisherigen Aufenthalt geben.

Anbei sind noch ein paar Fotos von verschiedenen Erlebnissen.

Glück Auf!

Robert Jürgens


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