Anlässlich der vielen Berichte aus Russland über die Auswirkungen des Gesetzes gegen “Homosexuellen-Propaganda” erklärt der Beauftragte für die Belange von Lesben und Schwule der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Kahrs:

Das russische Gesetz gegen “Homosexuellen-Propaganda” ist eine abstoßende Verletzung der Menschenrechte. Die Demonstrationsfreiheit und der Schutz der sexuellen Identität werden massiv eingeschränkt. Solche Gesetze schüren die ohnehin bereits vorhandenen Vorurteile gegen Lesben und Schwule in Russland. Das Ergebnis: in den letzten Wochen wurden Schwule bestialisch ermordet, verletzt, geschlagen, öffentlich gedemütigt. Russische Banden machen sich einen Spaß daraus, homosexuelle Menschen zu jagen und zu quälen.

Russland ist das einzige Land, in dem sich die gesetzliche Situation für Schwule und Lesben in den letzten Jahren verschlechtert hat. Das Gesetz stammt weder aus alten Kolonialzeiten wie entsprechende afrikanische Gesetze, noch aus der Scharia, wie in vielen islamischen Ländern. Es wurde 2013 verabschiedet und dient nicht nur zur Einschüchterung von Homosexuellen, sondern sagt auch: „bei uns haben Minderheiten keine Rechte. Wir lehnen die Freiheiten der westlichen Welt bewusst ab.“

Die Olympische Idee kann nicht von Menschen- und Bürgerrechten getrennt betrachtet werden. Sie ist in sich politisch. Friedliche Völkerverständigung ist ohne Menschenrechte nicht denkbar. Man kann nicht, wie Russland, die olympische Idee von Toleranz und Menschlichkeit im Stadion inszenieren und sie tatsächlich mit Füßen treten.

Darum appelliere ich an das IOC, die Olympischen Spiele von Sotschi zu verlegen, zum Beispiel nach Vancouver.

Die Anlagen der letzten Winterspiele stehen noch, eine Verlegung wäre auch in der Kürze der Zeit machbar. In Kanada bräuchte kein homosexueller Sportler davor Angst zu haben, nach einem Medaillengewinn seinen Freund zu küssen, und eine Athletin mit Regenbogenfahne am Trikot muss sich auch nicht vor Repressalien fürchten. Mit einer Verlegung wären auch alle Aufrufe, die Spiele zu boykottieren, hinfällig, und die Sportlerinnen und Sportler könnten sich ganz auf die Spiele konzentrieren.

Das Ganze sollte dem IOC eine Lehre sein, in Zukunft Olympische Spiele nur noch an Staaten zu vergeben, deren Gesetze sich mit dem Geist der Spiele in Einklang befinden.


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