„‚Herr Kauder, wann haben Sie sich entschieden, heterosexuell zu sein? Ich habe mich nie entschieden, homosexuell zu sein. Aber ich bin es, und ich möchte gleichberechtigt sein. Und das ist auch gut so. Dieses sinngemäße Motto der Großdemonstration zum Aktionstag gegen Homo- und Transphobie in Berlin vom 17. Mai trifft den Kern der Diskussion.

Es gibt zwar logischerweise kein Recht auf ein Kind. Fachlich entscheidet das sowieso das Jugendamt. Aber es geht darum, dass man gleichbehandelt wird, dass man sich wie jeder andere um eine Adoption bewerben kann.

Heute vor 65 Jahren wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet. Die juristischen Hüter dieses Grundgesetzes haben zur Sukzessivadoption im letzten Jahr ein Urteil gefällt, welches kaum deutlicher hätte ausfallen können. In der Begründung heißt es: ‚Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht.’ Das ist eine klare Ansage.

Ich habe daher sowohl dem Gesetzentwurf der Koalition zur Sukzessivadoption, als auch dem Änderungsantrag von Bündnis90/Grüne zugestimmt, der eine vollständige Gleichstellung im Adoptionsrecht vorsah. Dass meine Freundinnen und Freunde der SPD größtenteils gegen den Änderungsantrag gestimmt haben, ist dem Koalitionsvertrag geschuldet und an Verträge hält man sich.

Wir Sozialdemokraten stehen für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Das ist Parteibeschluss. Wir glauben, dass es eine Gleichstellung bei der Ehe und auch in der Frage der Adoption geben muss – so sehen wir Artikel 3 Grundgesetz. Mit der CDU/CSU wird dies leider nur schrittweise vorangehen. Das ist Mist. Herrn Kauder und seinen Kollegen sei wiederholt gesagt: ‚Auch in Ihren eigenen Reihen bröckelt es. Die Gesellschaft hat Sie überholt. Sie wissen es. Ihre Wähler wissen es. Räumen Sie das Thema doch einfach ab!


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