Familienausflug am Sonntag

Familienausflug am Sonntag

Für den freien Sonntag

Der Sonntag gehört nicht dem Mammon

Seit der Föderalismusreform im Jahre 2006 liegen die Ladenöffnungszeiten in der Kompetenz der Bundesländer. Ich hatte mich damals gegen diese Kompetenzverlagerung ausgesprochen, weil ich gegen eine Aufweichung der Ladenschlusszeiten am Sonntag war und es noch immer bin. Ich denke, dass der Bund hier ein Gestaltungsinstrument aus der Hand gegeben hat, das zum Wohle der Bürger, der Familien und der Arbeitnehmer eingesetzt werden sollte.

Ich befürchte, dass auch der Sonntag bald nicht mehr tabu sein wird. Von allen Bundesländern hat Berlin seine Ladenschlusszeiten am meisten gelockert. An bis zu zehn Sonntagen im Jahr können die Geschäfte dort öffnen, davon an zwei Sonntagen im Advent. Solche Zustände will ich in Hamburg nicht.
Eine weitere Ausdehnung ist betriebswirtschaftlich nicht notwendig und eine Zumutung für alle Angestellten, wie mir in vielen Gesprächen mit Kaufleuten, Angestellten und Betriebsräten in Hamburg immer wieder gesagt wurde. Der Hamburger CDU-Senat hingegen plant schon seit langem eine Ausweitung der Öffnungszeiten auch auf den Sonntag. Bereits jetzt können die Bezirke nach derzeitiger Rechtslage maximal vier Mal pro Jahr Sonntagsöffnungen beschließen. Immer wieder werden Stimmen aus der CDU und der FDP laut, die eine völlige Preisgabe des freien Sonntages fordern.
Die SPD Hamburg-Mitte hat daher auf einer Kreisdelegiertenvollversammlung beschlossen, Sonntagsöffnungen generell abzulehnen und diesen Antrag auch auf SPD-Landesebene mit großer Mehrheit durchgesetzt. Auch der SPD-Landesvorstand unterstützt den Bezirk Mitte in seiner Haltung und forderte alle anderen Bezirksfraktionen auf, Sonntagsöffnungen abzulehnen.

Bei genauer Betrachtung der Lage in Hamburg gibt es keinen vernünftigen Grund, längere Öffnungszeiten zu befürworten. Die durchaus praktikable und kundenorientierte aktuelle Regelung der Ladenöffnungszeiten reicht vollkommen aus. Es werden schon jetzt nicht die vollen Möglichkeiten der Ladenöffnung ausgeschöpft, wie viele Ladenöffnungen nur bis 19 Uhr belegen.
Erschwerend kommt hinzu, dass es bereits jetzt bei den bestehenden Öffnungszeiten gravierende Mängel bei den notwendigen begleitenden Maßnahmen gibt. So klagen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits jetzt über mangelnde Möglichkeiten, ihre Kinder in Kindertagesstätten unterzubringen. Darüber hinaus lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung eine erneute Ausweitung der Öffnungszeiten ab. Nach einer unabhängigen Forsa-Umfrage halten 53 Prozent der Verbraucher die jetzigen Öffnungszeiten für ausreichend; 36 Prozent halten die derzeitigen Öffnungszeiten für bereits zu lang.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht gibt es keinen Grund, die jetzigen Öffnungszeiten über Bord zu werfen. Ein Zuwachs an Kaufkraft ist durch die verlängerten Öffnungszeiten bereits jetzt schon nicht feststellbar. Es kommt lediglich zur Verteilung der Umsätze – die Umsätze vom Sonntag fehlen entsprechend am Sonnabend und Montag, während sich der Personaleinsatz erhöht und dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Um etwa eines der großen Warenhäuser in der Hamburger Innenstadt zu öffnen, benötigt man nicht etwa nur die dort beschäftigten Verkäuferinnen, sondern eine Mindestbelegschaft von fast 300 Menschen. Alle diese Arbeitnehmer können den Sonntag nicht mit ihren Familien oder Freunden verbringen, nur, damit einige Leute ihre Einkäufe statt am Sonnabend am Sonntag erledigen können. Die wohlverdiente Freizeit vieler wird sinnlos für die Bequemlichkeit einiger weniger geopfert.
Erweiterte Öffnungszeiten führen besonders für kleinere Einzelhandelsgeschäfte zu Wettbewerbsnachteilen. Die einzigen Gewinner wären die großen Einkaufszentren am Stadtrand. Für die Nahversorgung in den Stadtteilen jedoch hätte das über kurz oder lang zur Folge, dass die kleinen Einzelhandelsgeschäfte mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten könnten, Kaufkraft abgezogen würde und sie reihenweise schließen müssten.

Was eine Sonntagsöffnung für die Familien bedeutet ist leicht vorstellbar. So wird den Beschäftigten im Handel der letzte verbliebene gemeinsame Tag mit der Familie genommen. Auch das Vereinsleben, das sich überwiegend auf den Sonntag verlagert, würde darunter leiden, ebenso das allerorten geforderte ehrenamtliche Engagement der Bürger. Neben dem geschützten Raum für den Handel muss es deshalb ebenso einen geschützten Raum für die Familie und das Ehrenamt geben – den arbeitsfreien Sonntag!