Die demografische Entwicklung in Deutschland stellt uns besonders in der Bau-, Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik vor gewaltige Herausforderungen. Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt stetig. Im Jahre 2050 wird jeder Siebte älter als 80 Jahre sein. Damit ältere und behinderte Menschen solange wie möglich selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung leben können, müssen wir das Angebot an altersgerechten Wohnungen dringend erweitern. Der Investitionsbedarf wurde von der Prognos AG berechnet: bis 2030 sind rund 2,9 Mio. Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Mrd. Euro baulich anzupassen.

Das ist eine enorme Summe. Die Prognos AG hat im Auftrag von Bundesministerin Barbara Hendricks folgendes ermittelt: altersgerechter Umbau kann die staatlichen Sozialsysteme um etwa 3 Mrd. Euro pro Jahr entlasten (Sozial- und Pflegeversicherung), wenn dadurch bei nur 15 Prozent der pflegebedürftig werdenden Personen ein Umzug ins Heim vermieden oder aufgeschoben werden kann. Das zeigt, welche Hebelwirkung wir mit einer solchen Förderung erzielen können.

Im Jahr 2009 hat die Bundesregierung im Rahmen des „Konjunkturpaket I“ mit dem KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Bis zum Auslaufen des Programms Ende 2012 wurden davon 82.500 Wohneinheiten mit Bundesmitteln durch zinsverbilligte Darlehen und Zuschüsse altersgerecht umgebaut. Danach konnte die KfW das Programm nur noch aus Eigenmitteln als reines Darlehensprogramm fortführen. Bis Ende August 2014 wurden so zwar insgesamt gut 134.000 Wohnungen umgebaut, dennoch ist der Bedarf an Investitionen in den altersgerechten Umbau nach wie vor hoch. Denn derzeit sind insgesamt nur 600.000 bis 800.000 Wohnungen altersgerecht (1 bis 2 Prozent des Gesamtbestandes).

Die Bundesregierung will die Schaffung von mehr generationengerechtem Wohnraum weiterhin unterstützen. Wir haben deshalb am 1. Oktober 2014 die Zuschussförderung des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ wieder eingeführt. Damit können insbesondere selbstnutzende Wohnungseigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften und Mieter wieder Zuschüsse erhalten. Das Zuschussprogramm ergänzt sinnvoll das bestehende Darlehensprogramm. Denn Darlehen sind – nicht nur vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen – gerade für ältere Menschen nicht so attraktiv wie Zuschüsse, weil diese Menschen oft keinen Kredit mehr aufnehmen wollen oder altersbedingt nicht mehr bekommen.

Die Zuschüsse können mit den Programmen zur energetischen Gebäudesanierung verknüpft werden. Sie fördern zusätzlich auch Maßnahmen zum Barriereabbau und zur Steigerung der Einbruchssicherheit. Bei der Sanierung von Wohngebäuden können Bauherren nun also „drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ und Kosten sparen, weil sie die Immobilien nur einmal anfassen müssen. Der Bundeshaushalt sieht für die Neuauflage des Programms Mittel in Höhe von 54 Mio. Euro bis 2018 vor.

Die meisten Menschen wünschen sich ein selbstbestimmtes Leben in der vertrauten Wohnumgebung bis ins hohe Alter. Es ist daher ein großer gemeinsamer Erfolg der Koalition, dass wir gleich zu Beginn der Legislaturperiode den Zuschuss für das altersgerechte Umbauen wieder einführen konnten. Das neue Programm „Altersgerecht Umbauen-Zuschuss“ gibt wichtige Impulse für die generationen- und altersgerechte Wohnraumgestaltung in Deutschland. Es leistet ganz konkrete Hilfe für Menschen, die ihr Leben länger selbstbestimmt führen wollen, und entlastet dabei auch unsere Sozialsysteme.


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