Übersicht von Juli 2016

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Mit seiner am 25. Januar 2016 verkündeten Engagementstrategie macht das BMFSFJ als federführendes „Engagementministerium“ auf Bundesebene deutlich, dass Engagement nicht selbstverständlich ist. Und obwohl sich bürgerschaftliches Engagement durch Freiwilligkeit, Eigeninitiative, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit auszeichnet („Eigensinn“ des Engagements), ist es doch Aufgabe des Staates, es zu ermöglichen. Besonders wichtig ist es daher, bürgerschaftliches Engagement durch gute und richtige Rahmenbedingungen zu unterstützen, nachhaltig zu fördern und eine Kultur der Anerkennung zu schaffen. Denn grundsätzlich führt freiwilliges Engagement zu verstärkter gesellschaftlicher Integration, und gesellschaftliche Integration wird erleichtert durch freiwilliges Engagement.

Im Rahmen der Engagementstrategie des BMFSFJ ist der Anspruch an Integration, eine aktive Teilhabe und Partizipation von geflüchteten Menschen sicherzustellen. Darüber hinaus stellt sich das Erfordernis der interkulturellen Öffnung im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements.

a) „Aktion Zusammenspiel“

Bei dieser deutschlandweiten Aktion im Rahmen der „Woche des Bürgerschaftlichen Engagements“ im September 2015 zur Organisation von spielerischen Begegnungen zwischen einheimischen Kindern und Flüchtlingskindern wurden über 450 Spielzeugpakete verschiedener Hersteller pro bono bereit gestellt, um die Möglichkeiten zum gemeinsamen Spiel und zur Begegnung von Flüchtlingskindern
und einheimischen Kindern zu verbessern. Die Übergabe dieser Pakete erfolgte durch über 200 „Paten“ (bürgerschaftliche Initiativen, kommunale Amtsträger) deutschlandweit im Rahmen kleiner und größerer Begegnungs‐Aktionen in der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ vom
11. bis zum 20. September 2015.

b) „Menschen stärken Menschen“: Paten, Gastfamilien und Vormünder für eine gelungene Integration/ Patenschaftsprogramm

Mit dem am 19. Januar 2016 gestarteten Maßnahmenportfolio „Menschen stärken Menschen“ sollen Patenschaften zwischen geflüchteten und hier lebenden Menschen gestiftet und zudem für die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge Patinnen und Paten, Gastfamilien und Vormundschaften gewonnen werden. Ziele des Programms sind die Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements als wesentlichem Baustein für eine gelingende Integration von Flüchtlingen, die Überführung spontaner Hilfsbereitschaft in dauerhaftes bürgerschaftliches Engagement sowie die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.


Im Rahmen des Patenschaftsprogramms werden 19 Programmträger gefördert, die die Engagementinfrastruktur auf lokaler Ebene durch finanzielle Mittel oder Expertise unterstützen. Programmträger sind u.a. die freien Wohlfahrtsverbände, muslimische Verbände, Migrantenorganisationen, der Stiftungssektor und weitere Akteure der Zivilgesellschaft, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen oder die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros. Diese haben sich den Aufbau, die Qualifizierung und Begleitung von mindesten 25.000 Patenschaften für geflüchtete Menschen zum Ziel gesetzt. Die Patenschaften reichen von niedrigschwelliger Alltagsbegleitung zur Erschließung des Sozialraums, über Hausaufgabenbetreuung bis hin zu hochwertigen Bildungsmentorenschaften
zur Sicherung von Schulabschlüssen. Es kann sich um 1:1 Beziehungen, Familienpatenschaften oder auch um Patenschaften für sogenannte Übergangsklassen handeln. Zum 15.06.16 wurden bereits 4.777 Patenschaften gestiftet. Weiteres Ziel ist der Aufbau eines systematischen Wissenstransfers zur Nutzung des im Bereich Patenschafts‐ und Mentoringprogrammen bereits umfangreich vorhandenen expliziten und impliziten Wissens. Hierfür wurde eine programmbegleitende Wirkungsanalyse beauftragt. Zudem wird das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement einen Fachkongress ausrichten. Ein wichtiger Baustein ist zudem die Weiterentwicklung und Umsetzung
von Qualitätsstandards für das Patenschaftsprogramm.

Um den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, unterstützt das Projekt zur Gewinnung von Gastfamilien, ehrenamtlichen Vormundschaften und Patenschaften im Rahmen des Programms diese besonders verletzliche Gruppe. Damit Gastfamilien, ehrenamtliche Vormünder sowie Patinnen und Paten qualifiziert auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet werden und eine enge Begleitung stattfindet, werden in dem Projekt auch Fachkräfte der Kinder ‐ und Jugendhilfe fortgebildet. Die Ergebnisse aus den verschiedenen Modellprojekten werden in Handreichungen zusammengeführt und den Jugendämtern und öffentlichen Trägern zugänglich gemacht.

Ein Wegweiser‐Telefon informiert über die Möglichkeiten im Bereich Patenschaft, Gastfamilie und Vormundschaft und recherchiert konkrete Anlaufstellen im persönlichen Umfeld der engagementbereiten Bürgerinnen und Bürger. Kosten: Für das Programm „Menschen stärken Menschen“ wurden im Nachtragshaushalt 2015 10 Mio. Euro für 2016 bewilligt.

c) Netzwerkprogramm „Engagierte Stadt“

Das Netzwerkprogramm „Engagierte Stadt“ basiert auf einer gemeinsamen Initiative des BMFSFJ, fünf Stiftungen und einem Unternehmen. Das Programm unterstützt den Aufbau bleibender Engagementlandschaften in Städten und Gemeinden in Deutschland. Es fördert Kooperationen statt Projekte. Bei den Besuchen der kandidierenden Projekte und Initiativen durch die Förderer und auch beim Netzwerktreffen aller im Juni wurde deutlich, dass als Haupt‐Engagement‐Feld der beteiligten Initiativen das Engagement rund um den Bereich „Flüchtlingshilfe“ an erster Stelle noch vor dem Bereich „Demographischer Wandel“ rangiert. Die „Engagierte Stadt“ ist damit jenseits der allgemeinen Engagementpolitik auch ein Projekt, über das das BMFSFJ konkrete Hilfen für Flüchtlinge unterstützt.

d) Deutscher Engagementpreis (DEP)

Zur Stärkung der Anerkennungskultur und Etablierung als „Preis der Preise“ wird jährlich in zeitlicher Nähe zum 5. Dezember, dem „Internationalen Tag des Ehrenamts“ der von BMFSFJ, dem Bündnis für Gemeinnützigkeit, dem Generali Zukunftsfonds – und seit 2015 der Deutschen Fernsehlotterie getragene Deutsche Engagementpreis verliehen. 2015 hat das BMFSFJ zusätzlich den mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis „Willkommenskultur gestalten“ für Engagement in der Flüchtlingshilfe verliehen.

e) Deutscher Engagement‐Tag

Am 3. /4. November 2016 richtet das BMFSFJ erstmalig einen zweitägigen Engagementkongress aus, mit dem langfristig die Tradition eines Deutschen Engagement Tages begründet werden soll. Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Schwerpunktthema „Engagement für den Zusammenhalt unserer Einwanderungsgesellschaft“.

f) Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BMFSFJ)

Zur Stärkung und Erweiterung des freiwilligen Engagements zugunsten von Flüchtlingen wurden im Rahmen eines Sonderkontigents bis zu 10.000 Stellen im Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug zur Verfügung gestellt. Damit sollen die Engagementmöglichkeiten von in Deutschland lebenden Menschen für Flüchtlinge im Rahmen des BFD erweitert werden, z.B. bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen, aber auch zugunsten einer leichteren Orientierung und Integration von Flüchtlingen im Alltag, wie Begleitung bei Behörden‐ und Arztbesuchen, in den Kindergärten und Schulen. Darüber hinaus sind auch Flüchtlinge selbst im Bundesfreiwilligendienst willkommen. Die für die Umsetzung der Maßnahme notwendige Gesetzesänderung (§ 18 BFDG „BFD mit Flüchtlingsbezug“) ist am 24. Oktober 2015 in Kraft getreten und tritt zum 31. Dezember 2018 außer Kraft. Für den BFD mit Flüchtlingsbezug inkl. Personal‐ und Sachkosten zur Administration wurden 50 Millionen
Euro in den Haushalt für 2016 eingestellt. Mit Stand 07.07.2016 wurden bislang 3.360 Vereinbarungen geschlossen, davon haben 988 Flüchtlinge einen Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug begonnen.

g) „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“

218 Partnerschaften für Demokratie (ab September 2016 voraussichtlich 237) setzen sich flächendeckend u.a. für den Abbau von Ressentiments gegenüber Geflüchteten und eine vielfältige Integrationskultur in den Kommunen ein.

Die 16 Landesdemokratiezentren bündeln seit 2007 die Informationen über die Kompetenzen der Fachkräfte in den staatlichen und nicht‐staatlichen Einrichtungen des Landes in der Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Die Landesdemokratiezentren tragen dafür Sorge, dass ein breites Angebot an Beratungsleistungen für die Arbeit gegen Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bereitgestellt werden. Dies beinhaltet insbesondere auch die Mobile Beratung und Opferberatung. Die Angebote der Mobilen Beratung reichen dabei von der Begleitung von Initiativen über Moderation von Bürgerversammlungen, Modulen in Fortbildungen
bis zur Projektarbeit vor Ort und Gremienentwicklung. Die Opferberatungen unterstützen Betroffene rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt – insbesondere Asylsuchende.

Nahezu alle Projektträger des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ setzen sich in Ihrer Arbeit mit den Themen zu Flucht und Asyl auseinander – auf vielfältige Art und Weise. Dabei stehen vor allem die Herausforderungen zu Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, aber auch zu Antisemitismus und gewaltbereitem Islamismus in Zusammenhang mit Geflüchteten im Fokus der Projekte.

h) Aktion Zusammenwachsen (AZW)

Ziel ist die Unterstützung für Patenschafts‐ und Mentoringprogramme zur Verbesserung der Bildungschancen und Unterstützung der Integration von Kindern/Jugendlichen mit Migrationshintergrund, auch von Flüchtlingskindern. Dabei werden das bürgerschaftliche Engagement, insbesondere
auch die Bildung älterer Menschen, die sich in der Patenschafts‐ und Mentoringarbeit engagieren, sowie die Vernetzung und der Fachaustausch gefördert. Zu den Maßnahmen der AZW gehören die Internetseite www.aktion‐zusammen‐wachsen.de, welche aktuelle Informationen rund um das Thema „Bildungspatenschaften“ und eine Projektdatendatenbank bietet; Leitfäden und Orientierungshilfen, sowie die Durchführung von Landestagungen und Bundeskongressen. Die AzW wird gemeinsam von BMFSFJ und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung durchgeführt, die die Kosten von jährlich bis zu 300.000 Euro hälftig tragen.

i) Bundesprogramm für die Beratung und Betreuung von Flüchtlingen

Das BMFSFJ kooperiert mit verschiedenen in der Deutschen Islam Konferenz vertretenen muslimischen Verbänden, die mittels ihrer Gemeinden und Vereine, im Wesentlichen ehrenamtlich getragen, Hilfe‐ und Beratungsstrukturen aufbauen und Flüchtlingen mit Bleibeperspektive als Sprach‐ und Kulturdolmetscher bei der Integration beiseite stehen. Das BMFSFJ fördert im Wesentlichen den Aufbau von bundesweiten Netzwerken und Ehrenamtsschulungen. Hierfür stehen in 2016 für verschiedene Projekte bis zu 1 Mio. Euro zur Verfügung. Weitere Kooperationspartner sind die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie das BMI (siehe weitere Ausführungen in den nächsten Tagen).

j) Aktionsprogramm II Mehrgenerationenhäuser

Fast alle der rund 450 Mehrgenerationenhäuser (MGH) engagieren sich mittlerweile in der Flüchtlingsarbeit, zwei Drittel der Standorte arbeiten speziell mit Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Sprach‐ und Begegnungsangebote. Das BMFSFJ stellte in 2015 in einem gemeinsamen Projekt mit der Stiftung Lesen insgesamt 230 MGH Medienboxen mit Büchern, Spielen, Mal‐ und Bastelutensilien für die Haupt‐ und Ehrenamtlichen in den MGH zur Verfügung, um Flüchtlingsfamilien spielerisch die Sprache näher zu bringen und somit in die Gesellschaft zu integrieren; zusätzlich werden die Mitarbeitenden der MGH in 10 Schulungen zum gezielten Einsatz der Medienboxen qualifiziert. Das BMFSFJ bietet den MGH darüber hinaus folgende Informations‐ und Fortbildungsangebote:

- Newsletter zum Thema Flüchtlingsarbeit;
- Schulungen in den Bereichen Gewinnung/ Begleitung Ehrenamtlicher zur Unterstützung in der Flüchtlingsarbeit;
- Handreichung zur Flüchtlingsarbeit; Begleitung des Themas durch moderierte Diskussion im Internet der MGH

Für diese Maßnahme, die 2015 umgesetzt wurde, hatte das BMFSFJ eine Fördersumme von 200.000,00 Euro eingeplant. „Integration von Menschen mit Migrations‐ und Fluchtgeschichte“ ist einer der Schwerpunkte der Arbeit der Mehrgenerationenhäuser im künftigen „Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus“ (Laufzeit: 2017‐2020).

k) Programm ZI:EL (Zukunftsinvestition: Entwicklung jungen Engagements im Sport)

Im Rahmen des Programms werden Maßnahmen und Projekte in den Bereichen Inklusion, Integration und der Gewinnung von jungen Menschen aus bildungsfernen Schichten durchgeführt. Insbesondere sollen in den Strukturen des Sports neue Engagementbereiche erschlossen, Engagementformate weiterentwickelt oder Methoden zur Gewinnung von jungen Engagierten optimiert werden. Das Programm schließt die Sicherung der Teilhabe von jungen Flüchtlingen mit ein. So sollen z. B. junge Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, sich im Verein zu engagieren und auch aktiv am Vereinssport teilzunehmen, wie z. B. Fußballspielen in der Amateurliga (Willkommenskultur in der Kreisliga Havelland, Brandenburgische SportjugendProjektpartner ist die Deutsche Sportjugend (dsj). Im Förderzeitraum 2015 wurden für das Programm 58.000 Euro aufgewendet.

l) Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden!“

Das Programm „Willkommen bei Freunden“ befördert eine Willkommenskultur in Deutschland und unterstützt die Kommunen bei der Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Aufgaben, indem konkrete Angebote gemacht werden, wie z.B. Beratungsangebote für Jugendämter/Kommunalverwaltung, Unterstützung beim Aufbau lokaler Akteursnetzwerke, Qualifizierungsangebote sowie überregionale
Informations‐, Dialog‐ und Kommunikationsangebote.

Die Website Willkommen bei Freunden wurde als zentrales Informationsportal ausgebaut um ein Themenportal erweitert. Zur Stärkung des Ehrenamtlichen Engagements für junge Geflüchtete wurde eine Programm App entwickelt, die zum 20.06. 2016 gestartet ist. Die mobile Anwendung für Smartphones bringt Freiwillige und Projekte in der Flüchtlingshilfe bedarfsorientiert zusammen: Mit wenigen Klicks können die Helferinnen und Helfer angeben, wo und wie sie unterstützen wollen. Etatisiert sind für das Gesamtprogramm 12,3 Mio. Euro für die Gesamtlaufzeit von Juni 2015 bis zum Dezember 2018.

Lesen Sie mehr zu den weiteren Maßnahmen in den nächsten Tagen…


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