Übersicht von Juli 2016

Bundesministerium des Innern

a) „Flüchtlingsintegration mithilfe einer Praktikumsplattform mit Matching‐Funktion

Eines der zentralen Projekte der Fokusarbeitsgruppe „Digitales Flüchtlingsmanagement“ der IT‐ Gipfel‐Plattform „Digitale Verwaltung und Öffentliche IT“ ist die Entwicklung einer IT‐gestützten Lösung, mit der eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt gefördert und Hindernisse abgebaut werden sollen. Die hierzu entwickelte Praktikumsplattform mit Matching‐Funktion bietet Unternehmen und Geflüchteten zielgerichtet Möglichkeiten, sich zu finden und kennenzulernen. Der Fokus liegt darauf, Geflüchteten die Möglichkeit einer Beschäftigung und einen ersten Nachweis ihrer Qualifikationen zu bieten, auch bevor sie eine Aufenthaltserlaubnis und damit einen uneingeschränkten Arbeitsmarktzugang erhalten. Dies liegt darin begründet, dass zur Erlangung einer Aufenthaltserlaubnis geraume Zeit vergehen kann. Das Projekt wird im Rahmen der Fokusgruppe „Digitales Flüchtlingsmanagement“ vom Bundesministerium des Innern, sowie fünf Projektpartnern aus der Wirtschaft Bitkom, Dataport, McKinsey, SAP und Software AG finanziell getragen. Im Endausbau soll die Praktikumsplattform sowohl Unternehmen als auch Geflüchtete leichter durch die notwendigen Bewerbungs‐ und Verwaltungsprozesse zur Aufnahme eines Praktikums führen. Personalentwickler können ihre unternehmensspezifischen Mindestanforderungen an die Plattform übermitteln und erhalten über einen intelligenten Matching‐Algorithmus Profile passender Bewerber*innen. Auch E‐Learning‐ Angebote und Qualifikationsnachweise sollen im Rahmen der Praktikumsplattform eröffnet werden. Der Prototyp der Praktikumsbörse wird beim Nationalen IT‐Gipfel im November 2016 in Saarbrücken präsentiert.


b) Spendenplattform www.zusammen‐für‐flüchtlinge.de

Ein beträchtlicher Teil der Koordinierung der Hilfsangebote in der Flüchtlingshilfe findet bereits jetzt im Internet statt. Zur Förderung des digitalen bürgerschaftlichen Engagements im Bereich der Flüchtlingshilfe unterstützt das BMI das Subportal www.zusammen‐für‐flüchtlinge.de von Betterplace.org ideell und finanziell. Hierzu erhält die gemeinnützige Gut.AG als Trägerin von Betterplace.org eine Zuwendung über zwei Jahre von 450.000 Euro. Mit Hilfe der Zuwendung wird die Pflege, Betreuung und Erweiterung des Portals finanziell sichergestellt.

Bürgerinnen und Bürger erhalten über das Portal dezidierte Informationen darüber, welche Hilfsbedarfe es gibt. Für die Hilfsprojekte und Initiativen stellt das Portal zudem einen zentralen und einfach zu bedienen Ort dar, an welchem sie ihren jeweiligen Spendenbedarf zeitgemäß kommunizieren können. Die Abwicklung erfolgt für die Hilfsprojekte kostenlos, sodass Fundraising‐ und Transaktionskosten für die Organisationen vollständig entfallen. Des Weiteren wurde das Portal um die Funktion erweitert, neben Geldspenden auch Zeitspenden zu leisten.

c) Integration von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund beim THW

Anfang Dezember 2015 gaben der Bundesminister des Innern und der Bundesminister des Auswärtigen den Startschuss zu einem gemeinsamen THW‐Projekt zur Integrationsförderung und Ausbildung von Flüchtlingen und Asylsuchenden für den Zivil‐ und Katastrophenschutz im In‐ und Ausland. Bei der Auftaktveranstaltung in der THW‐Bundesschule Neuhausen übten 32 Teilnehmer aus zwölf Ländern u.a. den Einsatz von Pumpen, Gesteins‐ und Metallbearbeitung sowie den Einsatz von Rettungsgerät und Stromerzeugern. Zahlreiche Ortsverbände haben mittlerweile Interesse am Integrationsprojekt angemeldet. Bislang haben sich schon rund 50 Ortsverbände mit lokalen Ausbildungsveranstaltungen und in anderer Form daran beteiligt. Das Projekt wird durch zentral von der THW‐ Leitung bereitgestellte Handlungsempfehlungen und ein Informationspaket für alle interessierten Ortsverbände begleitet. Voraussichtlich noch in diesem Jahr werden erste Helfergruppen u.a. aus dem Sudan und Syrien ihre Grundausbildung abschließen.

d) Programm „Integration durch Sport“

Das Programm „Integration durch Sport“ wird auf Initiative der Bundesregierung seit 25 Jahren durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) durchgeführt. Ziel des Programms ist die Heranführung von Menschen mit Migrationshintergrund an regelmäßiges Sporttreiben und die Übernahme ehrenamtlicher Funktionen im Verein sowie die Unterstützung der Integration in die Aufnahmegesellschaft und das Wohnumfeld. Der DOSB hat die Projektverantwortlichkeit für das Programm. Die Landessportbünde beraten und begleiten die Vereine. Das Programm wurde zuletzt jährlich mit rund 5,4 Mio. Euro durch das Bundesministerium des Innern gefördert. Für den aktuellen Haushalt 2016 wurden die bereitgestellten Mittel auf 11,4 Mio. Euro aufgestockt und damit mehr als verdoppelt. Seit Ende Oktober 2015 ist das Programm für alle Asylbewerber und Geduldete unabhängig von Herkunft und Bleibeperspektive geöffnet. Durch diese Öffnung leistet die Bundesregierung einen deutlchen Beitrag zur Förderung einer Willkommenskultur und des gesellschaftlichen Zusammenhalts vor Ort. Hinsichtlich dieser neuen Zielgruppe kann an das bestehende Netz aus Stützpunkten angedockt werden.

e) Schulung Ehrenamtlicher in der Integrationsarbeit

Die Bundesregierung fördert das bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in der Flüchtlingsarbeit. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unterstützt daher mit der Multiplikatorenschulung entsprechende Angebote zur Qualifizierung und Weiterbildung von Ehrenamtlichen. Die Förderung richtet sich grundsätzlich an alle Vereine und Organisationen der Integrationsarbeit, in denen Ehrenamtliche tätig sind. Einen besonderen Schwerpunkt setzt das BAMF dabei auf die Unterstützung von Migrantenorganisationen, die selbst Integrationsmaßnahmen durchführen möchten und hierzu noch Qualifizierungsbedarf haben. Die Förderung dieser Schulungen wird vom BAMF jährlich ausgeschrieben.

f) Sonderpreis im Rahmen des BMI‐Förderpreises „Helfende Hand“

Unter dem Titel „Helfende Hand – Preis des Bundesministeriums des Innern zur Förderung des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz“ zeichnet der Bundesinnenminister seit 2009 jährlich Ideen und Konzepte aus, die das Interesse der Menschen für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz wecken. Mit diesem Preis werden ebenso Unternehmen, Einrichtungen und Personen geehrt, die den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbildlich begleiten bzw. Unterstützer/‐innen, die den Bevölkerungsschutz in besonderer Weise fördern.

Erstmalig werden im Jahre 2016 drei Projekte in der Sonderpreiskategorie „Integration von Flüchtlingen in die (Hilfs‐)Organisationen“ ausgezeichnet werden. Durch die Schaffung der Sonderpreiskategorie sollen Konzepte zur Mitarbeit von Flüchtlingen in den Organisationen des Bevölkerungsschutzes gewürdigt werden. Ziel ist es, die Flüchtlinge an die ehrenamtliche Mitarbeit in den Organisationen des Bevölkerungsschutzes heranzuführen und damit aufgrund des demographischen Wandels dringend benötigten Nachwuchs für die Organisationen des Bevölkerungsschutzes zu gewinnen.

g) Förderung von Moscheegemeinden und vorwiegend muslimischen Trägern in der Flüchtlingshilfe und ‐integration

Im aktuellen Haushaltsjahr stehen im BMI zusätzliche Mittel von 2,5 Mio. Euro für Projekte vorwiegend islamischer Träger und Verbände zur Flüchtlingshilfe und ‐integration zur Verfügung. Im Zusammenhang mit der Projektförderung wurde darauf hingewirkt, dass die in der Deutschen Islam Konferenz (DIK) vertretenen Verbände ein gemeinsames Projekt zur Flüchtlingshilfe und ‐integration konzipieren, um dem aktuellen Bedarf in den Moscheegemeinden zu entsprechen und um mittelfristig verbandsinterne wie auch über einzelne Verbände hinaus gemeinsame Strukturen einer „muslimischen Flüchtlingshilfe und ‐integration“ aufzubauen. Ziel ist neben der Integrationsarbeit auch die Befähigung und Professionalisierung der vorwiegend ehrenamtlichen Arbeit in den Moscheegemeinden. In diesem Zusammenhang wurden bisher Projekte von in der DIK vertretenen muslimischen Dachverbänden und der Migrantenorganisation Türkische Gemeinde in Deutschland sowie Tandem‐ Projekte (Projekte mit zwei bzw. mehr Partnern, wobei ein Partner eine muslimische Gemeinde, Dachverband, Migrantenorganisation u.a. sein muss) vom BMI positiv beschieden.

Zum Beispiel fördert BMI gemeinsam mit BMFSFJ und IntB ein Projekt von DITIB in Kooperation mit vier weiteren in der DIK vertretenen Verbänden (AMJ, VIKZ, IGBD und ZRMD), um den Strukturaufbau der muslimischen Verbände in der wichtigen Aufgabe der Integration zu unterstützen und so die Möglichkeiten zu stärken , dass Muslime in Deutschland ihren Beitrag für die gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden leisten können. . Das Fördervolumen dieses dreiteiligen Projekts beläuft sich für 2016 auf etwa 2,3 Mio. Euro. Hiervon stellt BMI 2016 aus dem Titel von Referat GZ 6 etwa 700 Tausend Euro bereit und das BAMF gut 500 Tausend Euro (sowie 2017 und 2018 jeweils weitere 700 Tausend Euro).

h) Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“

Das Bundesministerium des Innern fördert bereits seit 2010 mit dem Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ Projekte im ländlichen oder strukturschwachen Raum, die sich einsetzen für eine selbstbewusste, lebendige und demokratische Gemeinwesenkultur, in der extremistische und verfassungsfeindliche Strukturen und diskriminierende und demokratiefeindliche Verhaltensweisen keinen Platz finden.
Das Programm wird in der aktuellen Förderperiode (2013‐2016) mit einem Volumen von jährlich 6 Mio. Euro gefördert. Für 2016 hat das Programm zusätzliche Mittel i.H.v. 6 Mio. EUR. erhalten.
Mit diesen Mitteln wird den neuen Herausforderungen, denen sich die von ZdT geförderten Verbände angesichts der zunehmenden Zahl von Asylsuchenden gegenüber sehen, begegnet: Im März 2016 hat eine regionale Ausweitung des Programms in bestimmten Programmbereichen auf Projekte des Organisierten Sports, der Freiwilligen Feuerwehren und des THW in den alten Bundesländern begonnen. Ebenfalls seit März 2016 erfolgt in den bereits bestehenden Programmbereichen eine inhaltliche Vertiefung der Förderung zum Thema „Innerverbandliche Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten“ als Reaktion auf die derzeitigen Migrationsbewegungen. In einem dritten Bereich werden seit Juli 2016 Modellprojekte „Konzepte, Methoden und Instrumente des interkulturellen Lernens in Verbänden und Vereinen“ in Kooperation je eines Trägers mit Kompetenzen im Bereich der interkulturellen Bildung mit einem Landesverband aus den Bereichen Sport, Feuerwehr oder THW gefördert.

i) Bundeszentrale für politische Bildung

Im aktuellen Migrationskontext sieht die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in der Wertevermittlung durch politische Bildung eine an Bedeutung zunehmende mittel‐ und langfristige Aufgabe. Grundregeln des demokratischen Zusammenlebens sowie Prinzipien der freiheitlich‐ demokratischen Grundordnung müssen zielgruppenspezifisch vermittelt werden. Zahlreiche Angebote vermitteln niedrigschwellig Hintergrundinformationen für Ehrenamtliche, die von Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit mit Flüchtlingen eingesetzt werden können. Im Themenfeld „Flucht, Asyl, Integration“ sind aktuell rund 100 Projekte und Maßnahmen im BpB‐ Programm in der Durchführung oder noch in der Planung für das Jahr 2016.

Die BpB bietet eine Vielzahl an Publikationen zu dem Thema an. Sie bieten Fakten und tiefergehende Hintergrundinformationen zu der jeweiligen Thematik und geben einen Überblick zur Arbeit der zivilgesellschaftlichen Initiativen vor Ort. Ein Kurzdossier legt komplexe Zusammenhänge aus den Bereichen Zuwanderung, Flucht und Asyl sowie Integration auf einfache und klare Art und Weise dar. Es bietet einen fundierten Einstieg in eine bestimmte Thematik, in dem es den Hintergrund näher beleuchtet und verschiedene Standpunkte wissenschaftlich und kritisch abwägt. Neu erschienen ist die Publikation „Schule in Deutschland – jetzt versteh ich das“. Sie ist für Willkommensklassen gedacht und wendet sich vornehmlich an Kinder im Grundschulalter bis 12 Jahre. Außerdem ist neu im BpB‐ Programm das schulische und außerschulische Unterrichtsmaterial „Logbuch Neuland“ für Jugendliche mit direkter oder indirekter Flucht‐ oder Migrationshintergrund. Es gibt das „Was geht!?“‐Heft „Flucht und Asyl“ für bildungsferne Jugendliche und in einfacher Sprache die Ausgabe „einfach: Flucht und Asyl“. Das Buch „Ankommen. Eine Orientierungshilfe für das Leben in Deutschland“ bietet in zahlreichen Sprachen eine erste Orientierung und beantwortet Fragen rund um das Thema „Leben in Deutschland“.

Die BpB fördert im Jahr 2016 eine Reihe von Modellprojekten im Themenbereich Flucht und Asyl. Im Bereich Veranstaltungen bietet BpB unter anderem Workshops für Flüchtlinge an, in denen Basiswissen zur deutschen Demokratie vermittelt wird. Die erste Veranstaltung am 27.05.2016 in der BpB Berlin führte in die Themenfelder “Deutsche Geschichte” und “Politisches System” ein. Um die Inhalte der Workshops nicht nur den Teilnehmenden vor Ort (analog), sondern zugleich einer möglichst breiten Zielgruppe (online) zugänglich zu machen und ein interaktive Teilnahme via Social Media zu erreichen, werden die Workshops live über die Facebook‐Seiten von Syrisches Haus e.V. und der BpB gesendet. Ein Stream wird live ins Syrisch‐Arabische übersetzt – der andere läuft in deutscher Sprache.

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