Am Sonntag, den 9. November 2014, fand die Gründungsversammlung des neuen Landesverbandes Sachsen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold im Gemeindesaal der Leipziger Thomasgemeinde statt. Unter Leitung des Bundesgeschäftsführers Lucas Koppehl und des Stellvertretenden Bundesvorsitzenden Cornelius Zimmermann gab die Versammlung dem neuen Landesverband eine Satzung und wählte einen Landesvorstand. Zum Vorsitzenden wurde Cornelius Zimmermann gewählt, ihm zur Seite stehen als Stellvertreter/in Diana Bäse und Richard Wilhelm. Zum Schriftführer wurde Maximilian Rinck bestellt, zum Schatzmeister Fabian Virkus. Als Beisitzer fungieren Alexander Lehmann und Toni Güttner.

In einer kurzen programmatischen Rede erläuterte Cornelius Zimmermann die Aufgaben des neuen Landesverbandes Sachsen: „Es weht ein unguter Wind durch das Land,“ erklärte Cornelius Zimmermann, „die Wahlerfolge der AfD, die Stimmungsmache gegen die Europäische Union, gegen Ausländer, Muslime, gegen den Bau von Moscheen, gegen die Parteiendemokratie und demokratisch gewählte Politiker zeigen auf erschreckende Art und Weise, dass die Akzeptanz für einen freiheitlichen, demokratischen Staat mit einer lebendigen Parteiendemokratie und einer toleranten Gesellschaft schwindet. Es ist nun Aufgabe des Reichsbanners auch in Sachsen, gegen diese Stimmungen ein klares Wort zu erheben und Vorbild zu sein für demokratisches Engagement.

Heute am 9. November, dem Jahrestag der sogenannten Reichspogromnacht, gedenken Demokratinnen und Demokraten der Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihrer jüdischen Opfer. Demokratinnen und Demokraten können sich heute aber auch bewusst und stolz darauf sein, dass nur 69 Jahre nach der Katastrophe der Shoah wieder jüdisches Leben in Deutschland blüht, dass Deutschland für die Nachkommen der Opfer wieder zur Heimat geworden ist. Dies ist eine Leistung, wie sie nur einer demokratischen und toleranten Gesellschaft möglich ist.“

Cornelius Zimmermann mahnte aber abschließend auch, dass das Reichsbanner sich auch für die Stärkung des föderalistischen Gedankens einsetzen solle. Zu oft würde das föderalistische System der Bundesrepublik nur unter dem Kostenaspekt betrachtet, anstatt dass man sich auf die demokratische und historische Begründung für die Gliederung des Bundes in Länder besinnt, die ja durch die „Ewigkeitsklausel“ in Art. 79 GG garantiert ist.
Zu einer ehrenden Mahnwache versammelten sich dann die Teilnehmer anschließend beim Stolperstein für Richard Lipinski in der Goldschmidtstraße 12 in Leipzig.

Mit Richard Lipinski gedachten die Teilnehmer nicht nur einem prominenten Sozialdemokraten, der als Reichstagsmitglied und sächsischer Innenminister leidenschaftlich gegen die erstarkenden Nationalsozialisten eintrat und schließlich auch dem Ermächtigungsgesetz mutig seine Zustimmung verweigerte, sondern auch einem aktiven Demokraten der als Publizist den gesellschaftlichen Kampf um die Demokratie der Weimarer Republik führte und schließlich einem engagierten Mitglied des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Richard Lipinski leistete als Mitbegründer und Mitglied des „Zentralverbandes der Angestellten, des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ einen wichtigen Beitrag zur Festigung und Verankerung des früheren Reichsbanners in der werktätigen Bevölkerung des Deutschen Reiches.

Der neue Landesvorsitzende Cornelius Zimmermann betonte in seiner Ansprache an die anwesenden Kameraden wie wichtig es sei den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht zu geben. Im Angesicht der unfassbaren Opferzahlen der faschistischen Verfolgung, müsse immer wieder der Wert eines jeden einzelnen Menschen in Erinnerung gerufen werden um das Gedenken lebendig zu und den Geist der Demokratie wach zu halten, so Zimmermann. Lipinski würdigte er als herausragendes Beispiel für den Mut eine politische Überzeugung bewusst und aktiv in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, um damit Widerstand gegen Unmenschlichkeit, Intoleranz und Unrecht zu leisten.

Richard Lipinski überlebte sein mutiges Eintreten für die Werte der Demokratie nicht. Nach mehrmaliger Inhaftierung durch die Nationalsozialisten verstarb Lipinski 1936, von den Haftfolgen aufs schwerste gezeichnet.

Das Reichsbanner verpflichtet sich mit dem Andenken an den verdienten Kameraden auch den Einsatz für den deutschen Rechtsstaat, als bewusste Absage an alle extremistischen Bestrebungen, aufrecht zu erhalten und immer im Geiste des Geehrten gegen die Angriffe auf unsere Werteordnung vorzugehen.

Im Anschluss legte eine Delegation des neuen Landesverbandes an der Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Leipziger Gottschedstraße einen Kranz nieder und ehrte das Gedenken an die Opfer der „Reichspogromnacht“. In einer kurzen Ansprache erinnerte der neue Vorsitzende Cornelius Zimmermann auch daran, welche geistige und kulturelle Verarmung die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland hervorgebracht habe. „Der nationalsozialistische Terror hat Menschen aus unserer Mitte gerissen, die unsere Nachbarn, Freunde, wertvolle Mitmenschen mit einem unendlichen Schatz von Ideen, Meinungen, Ansichten und Visionen waren. Diese wunderbaren Menschen mit all ihren Gedanken und Werken sind uns für immer verloren.“

Cornelius Zimmermann merkte auch an, dass ein solches Verbrechen einer Mehrheit an einer Minderheit auch immer ein Akt des Verrates ist: Denn eine Minderheit verlasse sich auf den Schutz der Mehrheit und sei auf ihn angewiesen.

Für den Freistaat Sachsen besteht nun der fünfte Landesverband des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Deutschland.


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