Johannes Kahrs, Beauftragter der SPD-Bundestagsfraktion für die Belange von Lesben und Schwulen, zur Diskussion über die Verankerung von queeren Lebens- und Sexualidentitäten in Lehrplänen:

Es ist unerhört, dass sich die CDU in Niedersachsen dazu hinreißen lässt, in der Diskussion um die notwendige Anpassung von Bildungsplänen auf rückwärtsgewandte Polemik zurückzugreifen.

Die niedersächsische Landtagsabgeordnete und CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock äußerte laut Medienberichten, dass es auf keinen Fall sein könne, „dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten”. Dieser unterschwellige Vorwurf, Lesben und Schwule hätten einen schlechten Einfluss auf Kinder oder schlimmeres, ist unerträglich. Soll das bedeuten, dass lesbische und schwule Lehrkräfte demnächst nach einem Coming-out entlassen werden müssen, oder dass Eltern in Regenbogenfamilien per se kein Sorgerecht mehr bekommen dürfen?

Unabhängig davon widerspricht Frau Bertholdes-Sandrock auch klar der Linie der Bundesregierung, die Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung an Schulen begrüßt. Erst zu Beginn dieses Monats hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Opposition festgestellt, dass bereits viele Länder ihre Bildungspläne mit Hinsicht auf die Aufklärung über sexuelle Identitäten überarbeiten. Diese Aufgabe sollten sich alle Bundesländer in ihr Hausaufgabenheft schreiben. Toleranz lernt man am besten in jungen Jahren!


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